|
|
Bekanntlich enthält sauberes und gut gemachtes Heu eine große Zahl atembarer Partikel, die bei Pferden allergische Erkrankungen der Atemwege auslösen können. Durch Tränken von Heu kann die Partikelzahl reduziert werden, doch geht dies auch zu Lasten des Nährstoffgehaltes des Futters. Gut konservierte Silage enthält relativ wenig atembare Allergene. Doch Berichten zufolge geht die freiwillige Einnahme von Silage zurück, und es gibt Hinweise darauf, dass bestimmte Pferde solches Material nicht fressen. Bis heute wurde aber konserviertes Futter nie äquivalent mit anderem Futter in Bezug auf Reifegrad, Kulturart usw. verglichen. In einer aktuellen Studie, über die in Animal Feed Science and Technology (Band 132, Seiten 66-78) berichtet wurde, wurden die Präferenz von Pferden für Gras, das als Heu, Halbheu oder Silage verglichen. Verwendet wurde der erste Schnitt einer Dauergrasweide, vorwiegend bestehend aus Wiesenlieschgras, Wiesenschwingel und wenig Gemeine Quecke. Eine Stunde nach dem Schnitt wurde ein Trockenmassegehalt (TM) von 350g/kg gemessen und ein Teil des Erntegutes wurde mit einer Lely Welger AP 730 Ballenpresse zu Ballen verarbeitet. Bei 550g/kg TM wurde etwas mehr als Halbheu (niedriger TM-Gehalt) verarbeitet und der Rest wurde bei 700g/kg zu Heu- und Halbheuballen gepresst (hoher TM-Gehalt). Die Heuballen wurden in der Scheune auf 870g/kg getrocknet. Silage und Halbheu wurden mit 8 Lagen Folie gewickelt. Vier Pferde (430-650kg) wurden vor dem Versuch und während der Studie, als das Futter einmal täglich zwei Stunden lang im Stall angeboten wurde, drei Monate lang auf Sommerweiden gehalten. Gleichzeitig wurde 1kg TM jedes Futters angeboten. Der Aufstellungsort der Futterbehälter wurde über die vier aufeinander folgenden Zeiträume von jeweils fünf Tagen zufallsbedingt gewählt. Silage wurde von insgesamt 84 Mal 72 Mal bevorzugt und sie wurde nie zu Gunsten anderer Futterarten zurück gelassen. Fresszeit und Futteraufnahme unterschieden sich wesentlich (p<0,0001) unter den verschiedenen Futterarten. Die längste Fresszeit und die höchste Aufnahme wurden bei Silage festgestellt, gefolgt von Halbheu (niedriger TM-Gehalt), Halbheu (hoher TM-Gehalt) und dann Heu. Wie erwartet, gab es eine beträchtliche Schwankung unter den Pferden und jeweils gegen Ende der Futteraufnahme wechselten die Pferde häufiger zwischen verschiedenen Futtersorten als am Anfang. Die große Frage, die sich daraus ergibt lautet: „Warum zeigten die Pferde eine klare Präferenz für Silage?“ Es gibt viele mögliche Antworten, die auf Unterschiede in den folgenden Faktoren zurückzuführen sind:
TM-GehaltEs gab einen klaren Unterschied im TM-Gehalt der den Pferden angebotenen Futterarten. Grasende Pferde verbrauchen in gemäßigten Zonen von Natur aus Futter mit niedrigem TM-Gehalt, doch in Dürrezeiten können sie grasen und Futter mit hohem TM-Gehalt fressen. Mit Heu im Stall gefütterte Pferde trinken während des Fütterungsprozesses mehrmals und einige Pferde benetzen das Heu absichtlich, bevor sie es kauen. Das Verhalten kann durch Vornetzen des Heus abgestellt werden, was klar zeigt, dass dies ein funktionales Verhalten ist. Daher scheint die Annahme logisch, dass ein Pferd Futter mit niedrigem TM-Gehalt bevorzugt. Es gibt aber Berichte,denen zufolge Fahrsilosilage mit einem niedrigen TM-Gehalt (340g/kg) nicht sehr schmackhaft ist und die Aufnahme nur 9gTM//kg Körpergewicht pro Tag beträgt; dies entspricht etwa der Hälfte der Aufnahme von Halbheu (670gTM/kg), das an die gleichen Tiere verfüttert wurde. Chemische ZusammensetzungDas gleiche Ausgangsmaterial wurde für alle Futterarten verwendet, folglich gab es nur geringe Unterschiede im Anteil verdaubarer organischer Materie, Rohprotein und neutraler Faser. Der Anteil wasserlöslicher Kohlenwasserstoffe variierte stark, was die unterschiedlichen Fermentationsgrade reflektierte; im Heu war der Anteil natürlich am höchsten (101g/kgTM). Pferde haben einen ’süßen Zahn’, eine Tatsache, die Futterhersteller durch Integration von Sirup, Molasse usw. in das Futter nutzen, um ihr Produkt schmackhafter zu machen. Deshalb ist es interessant festzustellen, dass das Heu am wenigsten bevorzugt wurde und dass die Süße per se für die Pferde in Bezug auf Silage nicht das attraktivste Kriterium war (26g/kgTM) – etwas Anderes machte die Silage attraktiv! Es gibt in der Literatur nur wenige Informationen über die Präferenzen von Pferden, viele Informationen aber über freiwillige Futteraufnahme. Leider vergleichen die zuletzt genannten Daten nicht Futterarten aus dem gleichen Ausgangsmaterial. Fermentationsendprodukte (insbesondere Milch-, Essig- und Buttersäure) in der Silage wirkten sich nicht nachteilig auf die Präferenz aus, obwohl ihre Konzentration mit 31,8, 6,6 bzw. 1g/kgTM viel höher war als im Halbheu. Mikrobieller StatusDie Unterschiede waren klein abgesehen davon, dass es Milchsäurebakterien in der Silage (8000x103CFU/g Lactobacilli)1 und keine im Heu gab, doch traf das Gegenteil für Enterobacteria zu. Es ist aber schwer vorstellbar, dass sich dies auf die Präferenz auswirkt. pH-WertDer pH-Wert reflektiert im Wesentlichen die Gegenwart von Milchsäure und betrug 5,81 für Halbheu mit hohem TM-Gehalt, 5,63 für Halbheu mit niedrigem TM-Gehalt und 4,94 für die Silage. Während es eine Beziehung zwischen pH-Wert und Aufnahme von Silage durch Wiederkäuer gibt, gibt es keine solchen Daten für Pferde. Es ist nicht zielführend, Vergleiche zwischen unterschiedlichen Arten anzustellen und die Futteraufnahme mit der Präferenz gleich zu setzen. In der Studie, über die berichtet wird, hatte ein pH-Wert von 4,94 keine negative Wirkung auf die Aufnahme und weil Halbheu im Allgemeinen bei einem höheren pH-Wert konserviert wird, ist es unwahrscheinlich, dass der pH-Wert per se Auswirkungen auf die Futterpräferenz hat.. FolgerungEs ist nicht möglich zu bestimmen, warum die Pferde Heu am wenigsten bevorzugten, doch beeinflusste die Konservierungsmethode eindeutig die Präferenz der Pferde, wobei Silage der “Favorit” war. Wenn die Pferde Silage einmal gerochen oder gekostet hatten, ließen sie sie nie für ein anderes Futter zurück – man wundert sich über den Grund der Anziehung. 1 CFU stands for Colony Forming Unit (bacteriology) |
Zurück...
|
||