Wann sollte man Ballen nach Anwendung von Stretchfolien vom Feld holen?

Von Dr. Rolf Spörndly, Rainer Nylund und Torsten Hörndahl, Swedish University of Agricultural Sciences, und Per-Anders Algerbo, Hushållningssällskapet Malmöhus

Ein von der Swedish Farmers' Foundation for Agricultural Research finanziertes Projekt.

Hintergrund
Immer öfter werden Rundballen auf dem Feld mit einer kombinierten Ballenpress- und Wickelmaschine hergestellt. Es herrscht eine rege Diskussion unter Landwirten und Lohnunternehmen bezüglich des richtigen Zeitpunkts, an dem die Ballen vom Feld geholt und eingelagert werden sollen. Die Schwedische Universität der landwirtschaftlichen Wissenschaften (SLU) hat ein Forschungsprojekt durchgeführt, um einen wissenschaftlichen Überblick über diese offene Frage zu liefern.

Heutzutage werden Ballen in Schweden gewöhnlich auf einem Anhänger zum Betrieb befördert, wo sie unter Vogelschutznetzen gelagert werden. Das Be- und Entladen des Anhängers geschieht durch einen Greifer, der am Frontlader des Traktors befestigt ist. Unter Landwirten und Lohnunternehmern gibt es aber die weit verbreitete Auffassung, dass die Ballen nicht zu jedem Zeitpunkt transportiert werden sollten. Der Transport sollte entweder wenige Stunden nach dem Wickeln und vor der Laminierung der Folienlagen, oder eine Woche nach Abschluss der Laminierung erfolgen, wenn im Ballen kein Gas mehr erzeugt wird. Diese Auffassungen widersprechen aber den vorliegenden Forschungsdaten und den Ergebnissen kontrollierter Versuche.

Die Studie
Die von der Schwedischen Universität der Agrarwissenschaften (SLU) durchgeführte Studie umfasste 70 Rundballen aus Klee/Gras, welche im ersten und zweiten Schnitt in Südschweden geerntet wurden. Das Erntegut wurde im ersten Schnitt auf 43% Trockenmasse (TM) und im zweiten Schnitt auf 75% TM vorgewelkt. Silageadditive wurden nicht verwendet. Die Ballen wurden mit einer Ballenpress- und Wickelmaschine, einer Vicon RV 1601 Combibale (Flexkammer) hergestellt. Die gewickelten Ballen wurden in fünf verschiedenen Zeitabständen mit einem Trima Quadrogrip bewegt. Bei einem Versuch wurden die Ballen nicht bewegt, bei den anderen in Abständen von 1 Stunde, 3-5 Stunden, 24 Stunden, 3 Tagen und 10 Tagen nach dem Wickeln.

Zweimal wurde die Dichte der Ballen gemessen: Zuerst sechs Wochen nach dem Wickeln, und dann gerade vor dem Öffnen der Ballen, d.h. 19 Wochen nach dem Wickeln von Ballen, die im ersten Schnitt geerntet worden waren, und 13 Wochen nach dem Wickeln im zweiten Schnitt. Die Dichte wurde als Zeit angegeben, die für eine Verdichtung von -200 Pascal (Pa) (Vacuum) auf -150 Pa verstrich. Die Verdichtung wurde vor der Messung durch eine Pumpe erzeugt. Ergänzend zur Messung der Dichte wurde beim Öffnen der Ballen die sichtbare Hefe- und Schimmelbildung auf der Oberfläche dokumentiert.

Ergebnisse

Dichte und Gegenwart von Hefe und Schimmel

Dichte der Ballen, die zu vershiedenen Zeitpunkten nach dem Wickeln bewegt wurden

Schimmel und Hefe auf der Ballenoberflaeche beim zweiten Schnitt

Folgerungen

  • Die Hypothese, dass Ballen bei der Handhabung in der Zeit von 3-5 Stunden und 24 Stunden nach dem Wickeln am anfälligsten sind, ist nicht vertretbar. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Ballen in dieser Zeitspanne tatsächlich resistenter sind. Die Ballen mit der geringsten Dichte und die wenigen Ballen, die bei der Handhabung auseinander fielen, befanden sich alle außerhalb dieses Zeitfensters.
  • Ballen, die überhaupt nicht bewegt wurden, und Ballen, die an Tag 10 bewegt wurden, waren insgesamt am wenigsten dicht.
  • Der Versuch hebt die Bedeutung der Kraft hervor, mit der die Ballen gegriffen werden. Wenn zuviel Kraft angewandt wird, reissen die Ballen. Die geeignete Kraft hängt auch von der Art des verwendeten Greifers ab, doch konnte dies in diesem Versuch nicht näher untersucht werden.

Als allgemeine Folgerung kann bestätigt werden, dass der Zeitpunkt, zu dem ein Rundballen bewegt wird, nicht entscheidend ist. Es wird jedoch empfohlen, die Ballen möglichst bald innerhalb des ersten Tages nach dem Wickeln zu ihrem Aufbewahrungsort zu transportieren. Bezüglich der Exposition gegenüber der Handhabung könnte der Transport tatsächlich später erfolgen, um aber die Ballen vor Vögeln und Nagern zu schützen, empfiehlt es sich, sie aus logistischer Sicht nicht länger als nötig auf dem Feld zu lassen.

Dr. Rolf Spörndly ist Forschungsleiter an der Schwedischen Universität der Agrarwissenschaften in Uppsala und Chefberater von Svenska Husdjur, einer landwirtschaftlichen Kooperative für die Beratung von Milchviehhaltern.

Rainer Nylund ist Forschungstechniker an der Schwedischen Universität der Agrarwissenschaften, Uppsala.

Torsten Hörndahl ist Professor an der Schwedischen Universität der Agrarwissenschaften, Alnarp.

Per-Anders Algerbo ist Berater von Hushållningssällskapet Malmöhus, Malmö.


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