Fragen und Möglichkeiten der Ballensilageproduktion in Polen

Von Dr. Barbara Wróbel und Dr. Halina Jankowska-Huflej
Forscherinnen am „Institute for Land Reclamation and Grassland Farming“ in Falenty, Polen

Die Wintersaison in Polen dauert etwa sechs Monate, weshalb es wesentlich ist, große Mengen Raufutter herzustellen und zu konservieren. Die Technologie der Ernte und Konservierung der Grasnarbe unter Verwendung traditioneller Methoden, d.h. Trocknen der Kultur auf dem Feld, ist in Polen immer noch an der Tagesordnung. Einige Gründe: Die Silagetechnologie ist in Polen nicht verwurzelt, insbesondere kleine Betriebe haben nicht die nötigen Ausrüstungen, die Kosten von Stretchfolie für die Ballenherstellung scheinen zu hoch und die meisten Landwirte haben keine Kenntnis dieser landwirtschaftlichen Praxis.

Für den größten Teil des 20. Jahrhunderts hat das “Institute for Land Reclamation and Grassland Farming” Pläne umgesetzt, deren Ziel es war, Landwirte vom Übergang von der Heuproduktion auf die Silageproduktion zu überzeugen. Die messbaren Vorteile dieser Veränderung für Landwirte sind vielfältig: Silage bietet begrenzte Nährstoffverluste, einen höheren Nährwert, bessere Futteraufnahme und mehr Leistung von den Tieren.


Tabelle 1. Nährwert von Heu und Silage (Zastawny, Paluch, 1996)
Spezifikation Heu Silage
Trockenmasse TM (g kg -1) 842,4 501,8
Rohprotein (g kg -1) 139,4 175,1
Rohfaser (g kg -1) 294,6 272,7
Rohasche (g kg -1) 88,5 104.0
Rohfett (g kg -1) 20,1 25,0
Stickstofffreie Extrakte (g kg -1) 457,4 423,7
Energie NEL (MJ kg-1 DM) 6,39 6,29
Tägliche Futteraufnahme (kg TM per head) 5,80 6,54
Tägliche Gewichtszunahme von Rindern (kg per head) 0,575 0,646
Quelle: Institute for Land Reclamation and Grassland Farming

Als Ergebnis wird die Silageproduktion in Polen immer beliebter, insbesondere unter Milchviehhaltern und Züchtern. Heute werden rund 12 Prozent des Ertrags von Dauerweiden zu Silage verarbeitet, in 2000 waren es gerade ein paar Prozentpunkte. Große Rundballen gelten zwar als teurer als Silos, doch scheinen sie die Landwirte wegen des einfacheren Produktionsprozesses vorzuziehen.

Die Qualität der heute in Polen hergestellten Silage ist jedoch oft schlecht als Folge verschiedener Fehler, die Landwirte beim Ernten, Silieren und Füttern machen. Daher hat sich das Institut in den letzten Jahren besonders um den Wissenstransfer bezüglich der Techniken zur Produktion von Silageballen bemüht und zu diesem Zweck visuelle Hilfsmittel und Informationsmaterialien angeboten und Konferenzen organisiert.

Eine Hauptvoraussetzung für die Herstellung erstklassiger Silage ist der richtige Erntezeitpunkt (Tabelle 2). Polnische Landwirte neigen oft dazu, die Wiesen zu spät zu mähen, d.h. während des Ährenschießens und manchmal auch während der Blüte, weil es ihnen mehr um Quantität als um Qualität geht.


Tabelle 2. Einfluss des Zeitpunkts der Ernte von Alfalfa-Grasmischung im ersten Schnitt auf Nähr- und Energiewert (DLG)
Ernte in der Alfalfa-Entwicklung Inhalt in 1 kg Trockenmasse
Gesamt-protein (g) Rohfaser (g) Rohasche (g) Rohfett (g) Stickstoff-freie Extrakte
extracts (g)
Netto-energie für Milch-erzeugung (MJ)
Vor dem Okulieren 240 191 123 74 372 6.44
Okulieren 193 238 106 68 395 6.13
Beginn der Blüte 154 272 102 35 437 5.82
Mitte bis Ende der Blüte 149 309 104 35 403 5.29
Nach der Blüte 126 354 95 31 394 5.10
Quelle: Institute for Land Reclamation and Grassland Farming

Ein zweites wesentliches Element ist das Erreichen eines geeigneten Trockenmassegehaltes. Wenn die Grasnarbe zu großen Silageballen verarbeitet wird, sollte der Gehalt bei 35-40% liegen. Polnische Landwirte silieren oft, wenn der TM-Gehalt zu niedrig und die Silage zu feucht ist, was mehr Sickerwasser zur Folge hat. Häckseln nach dem Mähen kann den Trocknungsprozess des frisch gemähten Erntegutes wesentlich beschleunigen.

Ein dritter Aspekt, der für die Herstellung hochwertiger Silage zu berücksichtigen ist, ist die Vorwelkzeit der gemähten Grasnarbe auf dem Schwaden. Wenn das Material zu trocken ist, beeinflusst es die Silagequalität und erhöht die Gefahr der Schimmelbildung. Vorwelken der Grasnarbe (oft ungeeignet) bedeutet nicht immer eine gute Silagequalität.

Polnischen Landwirten wird zunehmend empfohlen, Additive für die Silageherstellung zu verwenden. Biologische Additive werden in Polen oft in Form bakterieller Inokkulantien verwendet, die Milchsäurebakterien und Enzyme enthalten, die den Silierprozess erleichtern und die Entwicklung einer sekundären Gärung begrenzen. Dies ist besonders wichtig für die jährliche Fütterung von Tieren mit Silage. Es ist indessen darauf hinzuweisen, dass Silageadditive Fehler korrigieren, die bei der Ernte und beim Silieren gemacht wurden (z.B. Bodenkontamination, mangelndes Häckseln, mangelnde Ballenverdichtung oder Abdeckung von Silos). Der Einsatz von Additiven ist ratsam, wenn die Hauptbedingungen der Fermentation erfüllt sind. Additive ersetzen den Fermentationsprozess nicht, sie unterstützen ihn aber sicherlich.

Bei der Herstellung von Ballensilage berücksichtigen Landwirte oft Faktoren wie Ballenwickeln, Verwendung erstklassiger Stretchfolie, Anwendung verschiedener Folienlagen auf den Ballen sowie richtige Lagerung zum Schutz vor Folienbeschädigung nicht ausreichend.

Es ist von größter Bedeutung, dass die Aufklärungsarbeit in Bezug auf die Silageproduktion in Polen fortgeführt werden. Trotz des beträchtlichen Fortschritts, der auf diesem Gebiet bereits gemacht wurde, ist die Silagetechnik in Polen weniger weit entwickelt als in anderen EU-Ländern. Dies ist wesentlich, da gute Silage ein grundlegender Standardwert ist, das kostengünstigste Futter im Winter und zunehmend auch für die jährliche Fütterung von Wiederkäuern. Daher müssen die zukünftigen Erziehungsmaßnahmen des „Institute for Land Reclamation and Grassland Farming“ in verschiedene Richtungen zielen. Umweltschutzaspekte sollten neben den technischen Aspekten der Silageproduktion berücksichtigt werden, z.B. Sammlung und Recycling von Folien, Gesundheitsaspekte der Verfütterung von Silage an Tiere (z.B. Vorhandensein von Mykotoxinen und anderen toxischen chemischen Verbindungen in Silage), sowie die Qualität von Milch und anderen Endprodukten (z.B. Vorhandensein von Aflatoxinen oder bakteriellen Sporen, die den Nährwert von Milch für die Verarbeitung und Herstellung von Käse verschlechtern).

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