Von Dr. Michael Röcken
Tierarzt an der Tierklinik Starnberg

Grünfuttersilage weist eine ganze Reihe von Vorteilen auf und ist hervorragend für Pferde geeignet. Wichtig ist bei der Ballensilage jedoch die Beachtung einiger Grundregeln für die Zubereitung sowie die Verwendung hochwertiger Materialien.

Seit etwa zehn Jahren erlangt Silage in der Pferdefütterung eine immer größere Bedeutung und wird auch zukünftig noch erheblich stärker als Grundfuttermittel das Heu verdrängen.

Grundsätzlich sind zwei Grünfuttersilagen zu unterscheiden:

  • Anwelksilage beziehungsweise Feucht- oder Nasssilage mit Trockensubstanzgehalt (TS) bis etwa 35 Prozent und
  • Heulage (Gärheu) mit TS-Gehalten von üblicherweise 40-60 Prozent bis maximal 80 Prozent

Heulage – eine gute Alternative

Silage ist durch Milchsäuregärung konserviertes hochwertiges Grünfutter für Nutztiere (v.a. Rinder). Für alle Pferde, aber in erster Linie für diejenigen, die unter chronischer Bronchitis und Stauballergie leiden, ist gute Grünfuttersilage in Form von Heulage mit hohem Trockensubstanzgehalt ein ausgezeichnetes, alleiniges und staubfreies Winter- und Grundfutter und - neben staubfreier Einstreu aus Holzspänen – eine gute Lösung für Pferdehalter.

Eine sorgfältige Rationsberechnung und Kontrolle des Futtermittels ist jedoch wichtig. Bei gezielter Berechnung der Futterrationen kann mithilfe von Ballensilage mehr teures Kraftfutter eingespart werden als mit Heu. Gelegentliche Beanstandungen der Futterqualität von Ballensilage sind in erster Linie in Herstellungs- und Lagerfehlern zu suchen und nicht im Prinzip der Ballensilage an sich. Eine sorgfältige Gewinnung des Ernteguts und eine saubere Lagerung machen die Ballensilage zu einer erstklassigen Raufutteralternative für Pferde.

Tipps für die erfolgreiche Silagebereitung und -fütterung

Silage mit weniger als 35% Trockensubstanzgehalt sollte nicht eingesetzt werden. Wird diese Silage in Großballen gewickelt, ist aufgrund schlechterer Verdichtbarkeit des Siliergutes wegen der späteren Ernte häufig viel Luft enthalten. Das hat unter anderem zur Folge, dass der pH-Wert meist über 4,5 bleibt (trotzdem ist die Silage stabil), wodurch einige Krankheitserreger nicht abgetötet werden. Dann besteht die Gefahr, dass im Futter Listerien enthalten sind.

Soll Silage in der Pferdefütterung eingesetzt werden, wird sie zu einem späteren Zeitpunkt geerntet - dadurch hat das Siliergut einen deutlich höheren Rohfasergehalt und es entsteht Anwelksilage oder Heulage. Gute Anwelksilage ist an der grünen Farbe zu erkennen, gute Heulage ist hellgrün.

Gefahren bei der Herstellung und Verfütterung von Silage entstehen durch Schimmelbefall, Faulstellen, Staub, Erdbeimischungen, erhöhte Säurekonzentration, Fehlgärungen, Mangelgärungen, Mäusekot, Milbenbesatz, Giftpflanzen und tote Tiere, wobei viele dieser Faktoren zur Belastung mit dem Gift des Clostridium botulinum – Botulismus – führen. Sorgfältig bereitete Ballensilage weist keinerlei Verunreinigungen, faulige oder weißlich Stellen auf. Zudem zeichnet sich hochwertige Silage durch einen aromatischen Geruch aus, der von angenehm säuerlich bis brotartig reicht.

Kurz gehäckselte Silage unter vier bis fünf Zentimeter Partikelgröße sollte möglichst nicht verfüttert werden, da der Kauanreiz und Einspeichelung bei dieser Konsistenz für Pferde zu gering sind. Dieses Futter kann bei sehr gierigen Pferden zu Schlundverstopfungen und Anschoppungen führen. Zur Vorbeugung und als Kauersatz sollte Heu und Stroh vorab gefüttert werden, wenn zum Beispiel in landwirtschaftlichen Betrieben mit Rinderhaltung nur solche Kurzhäcksel-Silage vorhanden ist. Qualitativ hochwertige Silage fühlt sich griffig an und ähnelt diesbezüglich Heu.

Gute, aromatische Langhalm-Heulage ohne Schimmelbildung, frei von Fehlgärungsprodukten und sonstigen Schadstoffen (Milben, Tierkadaver, Mistreste) staubt nicht und kann – nach mehreren Tagen der Gewöhnung - ohne Probleme verfüttert werden.

Insgesamt stellt die Fütterung von Grünfuttersilagen – besonders bei Pferden mit Allergie- und Atemwegsproblemen oder auch bei entsprechender Indikation bei Pferden mit Magen-Darm-Erkrankungen und nach Kolikoperationen – eine echte Alternative zur Heufütterung dar.

< Zurück