Interview mit James Sutton, Chirurg am Royal Veterinary College in London

In den letzten 25 Jahren war James Sutton (MRCVS) Leiter des Veterinärteams bei der weltweit bekannten "Horse of the Year Show", die jeden Oktober in Großbritannien stattfindet. Sutton genießt in seiner Disziplin hohes Ansehen und besitzt langjährige Erfahrung mit der Pflege und Ernährung von Pferden. Vor kurzem sprach er mit Silage Insights über seine Ansichten bezüglich der verstärkten Verwendung von Heulage als Pferdefutter.

Seit seiner Promovierung als Chirurg am Royal Veterinary College, London in 1976 war James Sutton Zeuge einer enorm zunehmenden Verwendung von Heulage. Wir befragten ihn zu den Ursachen dieser Entwicklung.Sutton sagte: "Bevor Heulage ein Thema wurde, gab es einige Gestüte, die Silage fütterten, die einen höheren Nährwert besitzt und frei von Staub ist. Diese Praxis war aber mit Risiken verbunden - insbesondere Botulismus. Dieses Bakterium kann durch Boden oder Kadaver in die Silage kommen, und unter den richtigen Fermentationsbedingungen breitet es sich im ganzen Silageballen aus. Während das Verdauungssystem von Rindern das Bakterium aufbricht, ist dies bei Pferden nicht der Fall, und eine Infektion kann fatal sein. "Auf einem Gestüt, auf dem ich arbeitete, tötete Botulismus in Silage sechs Pferde".

"Zum Glück wurden seither in der Landwirtschaft die Techniken zur Herstellung von Heulage weiterentwickelt. Heulage ist trockener als Silage, das heißt die Wahrscheinlichkeit einer schlechten Fermentation ist geringer. Ferner achten Hersteller heute sorgfältig darauf, dass es zu keiner Kontamination durch den Boden kommt und dass die richtigen Grassorten angebaut werden."

Sutton betrachtet den hohen Nährwert von Heulage als einen der Hauptgründe für dessen zunehmende Beliebtheit. Heulage wird länger als Silage zum Trocknen im Feld gelassen, darf aber nicht so lange trocknen wie Heu. Deshalb behält es mehr Energie als Heu - rund 25-50% mehr, je nach den örtlichen Bedingungen.

Die Leistung verbessern

James Sutton empfiehlt Heulage besonders für Leistungspferde: "Mit seinem höheren Energiegehalt ist Heulage das ideale Futter für Wettkampfpferde, welche Trainer versuchen, mit möglichst viel Energie zu versorgen. Für Renn- und Leistungspferde, z.B. Pferde, die man auf der "Horse of the Year Show" zu sehen bekommt, kann Energie ein Begrenzungsfaktor sein - ein Grund dafür, dass so viele von ihnen mit Heulage gefüttert werden.

Auf der Horse of the Year Show, einem jährlichen Wettbewerb, an dem 1.600 Pferde teilnehmen, wird in der Tat nur Heulage verfüttert. James Sutton ist leitender Veterinär dieser Show. Wegen der Brandgefahr ist in den 752 Ställen weder Heu noch Stroh zugelassen. Die Lieferanten bieten nur Heulage und Easibed-Streu an.

Gesundheit und Atmung

Heulage ist während Reisen, bei denen die Belüftung schlecht ist, als Pferdefutter besonders wertvoll. James Sutton sagt: "Sporen von Heu können das Atemsystem beeinträchtigen, insbesondere in geschlossenen Räumen. Wenn Pferde in Flugzeugen oder auf Schiffen transportiert werden, sollte nur Heulage verwendet werden.

"Pferde, die über große Entfernungen reisen, sind anfällig für Reisefieber, eine Art Lungenentzündung. Der Hauptgrund ist der, dass sie den Kopf nicht senken können, so dass Speichel die Nase herunter fließen kann. Stattdessen geht er in die Lunge. Sporen von Heu bewirken unter diesen Umständen zusätzlichen Stress."

Sutton weist auch darauf hin, dass sich das Atemsystem von Pferden mit den Jahren verschlechtern kann: "Besonders ältere Pferde können eine Allergie gegen den Staub in Heu entwickeln, weshalb Heulage eine gute Option für sie ist. Es gibt Leute, die tränken Heu, um die Sporen zu reduzieren, die physisch reizen können. Dies muss aber über drei Stunden geschehen, damit die Sporen so weit anschwellen, dass sie nicht mehr in die engen Luftwege der Lunge eindringen können."

Ferner entscheiden sich Leute mit begrenztem Lagerraum oft für Heulage, weil es einfacher aufzubewahren und im Gebrauch sauberer als Heu ist. Dies trifft insbesondere auf Besitzer zu, die nur ein Pferd im Stall haben.

Sutton folgert: "Die Fütterung von Ergänzungsstoffen ist zwar ein beliebtes Thema, aber Heulage wird immer eine wichtige Rolle als staubfreie, leicht handhabbare Faserquelle mit ausgezeichneten Ernährungseigenschaften spielen. Heulage ist ein effektiver Energiespender und schmeckt den meisten Pferden sehr gut. Wenn man will, dass sie es langsamer fressen, muss man es in Heunetzen mit kleinen Löchern anbieten!"

Für weitere Informationen über die Horse of the Year Show besuchen Sie http://www.hoys.co.uk

James Sutton promovierte 1976 als Tierchirurg am Royal Veterinary College in London. Nach zweijähriger Tätigkeit in Buckinghamshire schloss er sich der Familien-Partnerschaft in Tunbridge Wells an. Hier arbeiten er und zwei weitere Tierärzte ausschließlich mit Pferden.

Sein Spezialfach hat Sutton um die ganze Welt geführt, wo er Pferde für Kunden pflegte und Ausstellungen besuchte. Er hat ein Post Graduate Certificate in Equine Practice und war Schiedsrichter im Joint Measurement Board. Von Beginn an ist er FEI Veterinary Delegate bei den British Open Show Jumping Championships und seit 25 Jahren leitender Veterinär und FEI Delegate der Horse of the Year Show.


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