von Dr. Günter Pahlow
Direktor und Professor am Institut für Pflanzenbau und Grünlandwirtschaft an der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL).

Im Hinblick auf die gärungsbiologischen, siliertechnischen sowie arbeitsorganisatorischen Besonderheiten der Ballensilierung gibt es keine prinzipiellen Unterschiede zwischen ökologisch und konventionell wirtschaftenden Betrieben.

In beiden Fällen gelten die unübersehbaren Vorteile der dabei gewonnenen Flexibilität, insbesondere bei:

  • der Bergung von Restpartien oder der Silagebereitung in Streulagen
  • der Nutzung kurzer Schönwetterperioden für die Silierung
  • der möglichen Arbeitsvergabe an Lohnunternehmen

Hinzu kommt, dass während der raschen Verfütterung einer Ballenportion sowohl das Problem der Nacherwärmung durch pilzlichen Verderb als auch die damit verbundenen Mykotoxinrisiken praktisch ausgeschlossen sind.

Im Ökolandbau bietet dies Verfahren jedoch weitere Möglichkeiten, u.a. wenn es um die bevorzugte Erzeugung wirtschaftseigener Eiweißfuttermittel z.B. aus Ackerbohnen, Erbsen und Lupinen geht. Das betrifft:

  • die Bereitung von Silagen mit bestimmten Futterwerteigenschaften sowie
  • die separate Konservierung unterschiedlicher Futterarten, z.B. von Körnerleguminosen sowie deren Mischungen mit Getreide als Ganzpflanzensilagen je nach Abreifungsgrad der Gemengepartner zum optimalen Silierzeitpunkt.

Spezielle Fütterungsanforderungen stellen z.B. die in gemischten Ökobetrieben neben Milch- und Fleischrindern häufiger vertretenen kleinen Wiederkäuer wie Schafe und Ziegen, oder teilweise auch Pferde. Bei Bedarf kann nach entsprechender Kennzeichnung der Ballen das für diese Tierarten speziell erzeugte Grundfutter bis hin zu Teilstücken der Anbaufläche, ja sogar bis zu Partien mit unterschiedlichem Anwelkgrad zurückverfolgt und dementsprechend gezielt eingesetzt werden. Das ist bei schichtweiser Silierung größerer Futtermengen in Flachsilos und der Entnahme mit dem Blockschneider nicht durchführbar.

Wenn grobstängelige Leguminosen zur Ballensilierung vorgesehen sind, ist deren Ernte durch ein Mähwerk mit nachgeschaltetem Walzenaufbereiter anzustreben. Dieses Aggregat bewirkt eine weitgehende Synchronisation der Trocknungsgeschwindigkeit von Blättern und Stängeln, bei gleichzeitig nur geringen mechanischen Verlusten an hochverdaulicher Blattmasse. Ausnahmen dieser Empfehlung sind großfrüchtige Körnerleguminosen, wenn es darauf ankommt, Samenverluste zu vermeiden.

Insbesondere beim Mischanbau mit Sommergetreidearten, deren Halm bereits weitgehend abgereift sein kann, ist wegen der Beschädigungsgefahr die Anzahl der Folienlagen von üblicherweise 6 auf 8 zu erhöhen. Außerdem ist nach den bisherigen Erfahrungen bei der Ganzpflanzensilierung schwer vergärbarer Leguminosen grundsätzlich ein auch im Ökolandbau zugelassenes biologisches Siliermittel aus möglichst osmotoleranten Milchsäurebakterien zur Verbesserung der Gärqualität einzusetzen. Derartige Präparate eignen sich auch bei der verminderten Wasserverfügbarkeit von Anwelkgut.

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