Ballen

Die Ballenproduktion und deren Folierung sind beide gleich wichtig zur Herstellung von guter Ballensilage. Detaillierter Überblick über beide Schritte mit praktischen Tipps und Hinweisen.

Tipps zur Ballenherstellung:

  • Erntegut zerkleinern, um eine möglichst hohe Verdichtung und bessere Substratverfügbarkeit zu erhalten - Ziel sind 200 - 220 kg TM/m3.
  • Gegebenenfalls Siliermittel zugeben, je nach vorgesehener Verwendung.
  • So bald wie möglich am Lagerort mit hochwertiger Folie mit einer Vorstreckung von 55 - 70% wickeln.
  • Mindestens sechs Folienlagen für Rinder- und acht oder mehr Lagen für Pferdesilage verwenden, um einen besseren Schutz vor Beschädigung und einen besseren Luftausschluss zu gewährleisten.
  • Grüne oder weiße Folien in Betracht ziehen, um die Erwärmung der Ballenoberfläche zu verringern und Silageverluste zu minimieren.
Gleichmäßig pressen ist wichtig+

Beim Pressvorgang soll das angewelkte Pflanzenmaterial möglichst hoch und gleichmäßig verdichtet werden. Damit wird erreicht, dass der Luftanteil im Ballen verringert wird – eine entscheidende Bedingung für die anschließende Silierung. Denn durch eine hohe Verdichtung wird nicht nur Luft aus dem Siliergut gepresst, sondern es werden auch Luftkanäle beseitigt, durch die bei eventuellen Beschädigungen der Folie oder nach dem Öffnen der Ballen Luft schnell und tief in den Ballen einsickern kann.

Hochverdichtete Ballen machen das Verfahren Ballensilage wirtschaftlich noch interessanter. Weil weniger Ballen auf der Fläche anfallen, sinken Arbeitsaufwand sowie Maschinen- und Folienkosten.

Das Erntegut lässt sich kostengünstiger transportieren. Auch lassen sich vorhandene Lagerräume besser ausnutzen und dicht gepresste Ballen sind formstabiler und dementsprechend besser zu stapeln.

Bei Trockenmassegehalten von ca. 50 % kann das Erntegut maximal verdichtet werden. Darunter steigt der Wasseranteil im Ballen, darüber der Luftanteil. Das Ziel ist ein Trockenmassegehalt von 200-220 kg pro m3 zu erreichen.

Einfluss von Ballenpressentypen+

Unterschiedliche Pressentypen beeinflussen die Eigenschaften der Ballen. Festkammerpressen produzieren einen dichten Ballenmantel, aber einen lockeren Ballenkern. Pressen mit variablen Presskammern verdichten das Anwelkgut kontinuierlich von Beginn an durch umlaufende Riemen oder Stabketten. So können Ballen unterschiedlicher Größe hergestellt werden. Pressen mit Schneidwerk zerkleinern das angewelkte Gras und komprimieren es besser. Auch lassen sich diese Ballen leichter von Hand oder im Futterverteilwagen auseinander ziehen.

Jüngste "Forschungsarbeiten" der schwedischen Universität für Agrarwissenschaft (SLU) weisen darauf hin, dass die Reife der Kultur und der verwendete Pressentyp bei der Getreidesilageproduktion ausschlaggebende Faktoren sind, die die Menge der Nährstoffverluste im silierten Futtermittel beeinflussen. Die Forschungsarbeiten zeigen, dass die Nährstoffverluste mit dem Reifegrad der Kultur zunehmen und dass der Verlust an Trockenmasse in Ballen bei Verwendung der richtigen Pressen um 30 bis 75% reduziert werden kann, je nach Reife des Erntegutes.

Wickeln+

Neben der Qualität der konservierten Rohstoffe gibt es zwei Faktoren, die zum Erfolg von Ballensilage beitragen: die Struktur und Dichte der Ballen und die Wirksamkeit des luftdichten Verschlusses.

In der modernen landwirtschaftlichen Praxis werden Ballen in mehrere Kunststofffolienlagen gewickelt, um einen sicheren, luftdichten Verschluss zu gewährleisten. Der Nährstoffwert des Silagegutes wird konserviert und Silageverluste – ein inhärentes Problem der früheren Sacksysteme – werden reduziert.

Der Kunststoff wird mit einer an der Ballenpresse befestigten Streckeinheit gestreckt und um die Ballen gewickelt. Das "Kunststoffgedächtnis" – ein Merkmal, aufgrund dessen die Folie ihre ursprünglichen Abmessungen wieder annimmt – bewirkt, dass die Folie um die Ballen komprimiert wird und eine sehr dichte und sichere Wicklung ermöglicht. Hochwertige Folien haften besser zwischen den einzelnen Lagen, was darüber hinaus zu luftdichten Ballen beiträgt.

Vorstrecken+

Die Wicklung muss dicht sein, um die in der Ballenpresse erzielte Verdichtung aufrecht zu erhalten. Das Vorstrecken der Folie trägt dazu bei, die Ballendichte beizubehalten. Hochwertige Folien können vor dem Wickeln um 70% - 80% vorgestreckt werden.

Stretchfolie schrumpft nach dem Wickeln. Diese reduzierte Folienbreite muss berücksichtigt werden, um eine korrekte Überlappung der Lagen zu gewährleisten. Nach dem Dehnen muss eine 750 mm breite Folie auf den Ballen mindestens 600 mm breit sein. Erstklassige Folien garantieren die nötige Durchstoßfestigkeit auch bei starker Vorstreckung.

Das dichte Wickeln von Ballen trägt zur effizienten Verwendung der Kunststofffolie bei, weil für ein gegebenes TM-Gewicht weniger Folie benötigt wird und weil außerdem weniger Transportzeit und Kosten anfallen, weil weniger Ballen pro Hektar produziert werden.

Wickelzeit+

Die Ballen sollten nach dem Verpressen möglichst schnell gewickelt werden, im Idealfall innerhalb von zwei Stunden. Lässt man die Ballen zu lange ungewickelt, kann dies zu aerober Fermentation auf der Oberfläche führen.

Die Ballen sollten unter trockenen Bedingungen gewickelt werden. Wird die Folie während des Wickelns nass, haften die Lagen nicht ausreichend gut aufeinander, um einen vollständig luftdichten Verschluss herzustellen.

Die meisten modernen Ballenpressen arbeiten nach Ballengröße anstelle von Gewicht. Eine Ballenpresse mit variabler Kammer führt zu den dichtesten Ballen, erfordert aber ein Erntegut mit einem relativ hohem TM-Gehalt von ca. 40%. Erreicht man ca. 50% Überlappung der Lagen, trägt dies zur effizienten Verwendung der Folie in Verbindung mit guter Silagequalität bei. Eine stärkere Überlappung wäre eine Vergeudung von Folie, eine geringere Überlappung würde die Luftdurchlässigkeit erhöhen.

Wie viele Lagen?+

Eine Faustregel lautet, dass das Risiko eines Lufteintritts in die Ballen und einer Schimmelbildung umso geringer ist, je mehr Lagen verwendet werden und je besser die Folienqualität ist. Wer versucht, an diesem Punkt durch weniger Lagen Kosten einzusparen, kann alle vorherigen Anstrengungen zunichte machen. Vier Lagen werden zwar oft verwendet, aber sechs Lagen bieten eine wertvolle Sicherheitsmarge, besonders wenn der TM-Gehalt außerhalb des optimalen Bereichs ist.

Die Verwendung von sechs oder acht Folienlagen bringt eine messbare Qualitätsverbesserung. Berichten zufolge ist der Unterschied bei höheren TM-Gehalten ausgeprägter, zum Beispiel bei der Herstellung von Silage und Halbheu aus einem Erntegut mit mehr als 40% TM. Heulage für Pferde wird in der Praxis oft mit mindestens acht Folienlagen zu Ballen gepresst.

Eine aktuelle Studie des Institute of Grassland and Environmental Research (IGER) in Wales zeigt, dass durch die Erhöhung der Anzahl der Folienlagen bei Grasballen die Gefahr von Lufteintritt, Silagetrockenmasseverlusten und Schimmelwachstum verringert und eine effizientere Fermentation gewährleistet wird. Mehr Folienlagen bedeuten also mehr Silage besserer Qualität, die an Nutztiere verfüttert werden kann. Weitere Forschungsarbeiten am IGER zur Bewertung der Folienlagen bei verschiedenen Trockenmassegehalten liefern Hinweise darauf, dass die Erhöhung der Anzahl der Folienlagen zu wesentlichen Verbesserungen und finanziellen Vorteilen für die Landwirte führen.

Berechnung der Anzahl Folienlagen+

Die Forschung hat gezeigt, dass mit steigender Anzahl Folienlagen Verluste abnehmen und der Nährstoffgehalt verbessert werden kann.

Die Anwendung von sechs Lagen bringt den größten Nutzen, weil die Vorteile größer sind als zusätzliche Kosten. Ferner ist die Zahl der benötigten Folienlagen höher, je trockener das Siliergut ist, um eine schädliche Schimmelbildung zu verhindern. Mehr Lagen bedeuten auch einen besseren Schutz vor Beschädigung – sei es durch die Handhabung oder durch Tiere

Die Zahl der nötigen Folienlagen pro Ballen für jede Folienbreite läßt sich mit einer Formel auf Basis der folgenden Annahmen berechnen: Für einen zylindrischen Ballen von 1,2 Meter Durchmesser mal 1,1 Meter Höhe werden die Lagen wie folgt berechnet:


Anzahl Lagen Anzahl Lagen pro Ballen bei Verwendung von Gesamtzahl Lagen plus 50% Überlappung Foliengesamtverbrauch (ca.)
500mm Folie 750mm Folie 1000mm Folie
4 Lagen 27 18 14 8 1 kg
6 Lagen 33 22 17 12 1,5 kg
8 Lagen 44 30 22 16 1,9 kg

Download der praktischen Anleitung