Von Dr. Johannes Thaysen, Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein


Im Rahmen der Umsetzung der EG Trinkwasserrichtlinie wird in Deutschland z.Zt. die bundesweite Abstimmung der AwSV (Anlagenverordnung zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen) und das dazugehörige technische Regelwerk (TRwS) für den Umgang mit Jauche, Gülle und Sickersaft – die Wasser potenziell verunreinigen können - umgesetzt.

Infolgedessen gelten künftig neue Anforderungen an sämtliche permanente Neu- und Altanlagen, die in landwirtschaftlichen Betrieben verwendet werden. Dies wird sich unter anderem auf Fahrsiloanlagen auswirken, da das Regelwerk vorsieht, dass alle organisch belasteten Abwässer aufgefangen und einer landwirtschaftlichen Wiederverwertung zugeführt werden.

Zwar wird es für bereits vorhandene Fahrsiloanlagen Übergangsregelungen geben (im Rahmen des Bestandschutzes), aber Mietsilos auf unbefestigtem Untergrund ohne angemessene Sickersaft-Auffangmöglichkeiten werden endgültig der Vergangenheit angehören. Angesichts dessen sowie angesichts geringer Milchpreise und extremer Schwankungen in der Futterproduktion sind Investitionen in Siloanlagen nur in Ausnahmefällen begründbar. Was dann?

Ballensilage bietet eine geeignete Alternative für Landwirte, weil diese Siliermethode eine Silage in hermetisch verschlossenen Ballen vorsieht und somit keine Siloplatte erforderlich ist. Lediglich in dem Fall, dass offene Ballen Regen ausgesetzt sind oder Gärsaft enthalten, muss ein Abwasserauffangsystem vorgehalten werden.

Eine Investition in Ballensilage stellt deshalb eine sinnvolle Möglichkeit dar, einerseits kurzfristig und effizient die neuen Anforderungen an eine umweltgerechte Lösung der Silageproduktion zu erfüllen und gleichzeitig andererseits die Unsicherheit in der Futterproduktion abzuschwächen.

Vorteile, die über Euro und Cent hinausgehen

Zum Thema Ballensilage ist viel gesagt worden. Für die einen ist es „das perfekte Verfahren für ihren Betrieb“, während andere darauf beharren, dass „es teuer ist“. Wie dem auch sein mag, hat sich die Ballensilage auf breiter Front etabliert. Viele Betriebe setzen teilweise oder sogar ausschließlich auf Ballensilage, weil das System Vorteile hat, die über die berechenbaren Kosten und die rein wirtschaftlichen Gründe hinausgehen. Diese Vorteile sind nicht oder nur sehr schwer in Euro und Cent zu berechnen.

Weniger Arbeitskräftebedarf

Viele Praktiker dürften den geringen Arbeitskräftebedarf und Managementaufwand zu den wichtigsten Vorteilen der Ballensilage zählen. Mit dieser Methode lässt sich die Futterbergung einfach und stressarm planen. Mit Press-Wickelkombinationen kann die Tätigkeit sogar von nur einer Person ausgeführt werden.

Ein weiterer entscheidender Punkt - vor allem bei einzelbetrieblicher Mechanisierung – ist der relativ geringe Investitionsbedarf für die Press- und Wickeltechnik. Zusätzliche Investitionen in Umschlag, Transport- oder Entnahmetechniken und Siloanlagen sind abgesehen von der Ballenzange nicht erforderlich. Ballenpressen können außerdem bei der Stroh- und Heubergung zusätzlich ausgelastet werden.

Mehr Flexibilität bei der Ernte

Ballensilage verringert auch die Abhängigkeit von der Witterung. Spielt das Wetter nicht mit, ist es problemlos möglich, Teilflächen oder individuelle Flächen nach und nach abzuernten. Diese Flexibilität kommt vor allem auf kleineren Flächen, ertragsarmen Flächen oder bei den Herbstschnitten zum Tragen.

In der Pferdehaltung und extensiven Rinderhaltung führt das geringere Wetterrisiko dazu, dass die Heuverfütterung schrittweise durch die Vorlage von Ballensilage ersetzt werden kann. Wenn in einem guten Erntejahr viel Raufutter und Futter zur Verfügung steht, kann die Ballensilage weitere Pluspunkte für sich verbuchen. Denn einzelne Ballen lassen sich leichter handhaben und verkaufen als Teilpartien aus einem Fahrsilo.

Weniger Gärverluste

Auch die Gärverluste während der Lagerung und Verfütterung sind bei Ballensilage in der Regel geringer als bei Fahrsiloanlagen. Die Gefahr der Nacherwärmung ist bei weitem nicht so groß wie in Fahrsiloanlagen. Passiert es in Ausnahmefällen dennoch, so sind nur einzelne Ballen und nicht gleich ganze Teile eines Futterstocks davon betroffen.

Grundsätzlich sind bei der Ballensilage die gleichen Best Practice-Grundsätze zu beachten, wie im großen Fahrsilo: Überständiges Futter, Bodenverschmutzungen, eine zu geringe Verdichtung, falsche Lagerung oder Folienbeschädigungen können ansonsten zu geringer Silagequalität führen. Zusätzlich besteht bei zu niedrigem Anwelkgrad des Futters die Gefahr, dass die für die Lagerung erforderliche Formstabilität der Ballen verloren geht. Der Lagerplatzbedarf ist zwar größer als bei einer Fahrsiloanlage, die Ansprüche an die Gestaltung des Lagerplatzes sind aber weitaus geringer. Zu beachten sind allerdings die Kosten für die Entsorgung der Stretchfolie. Aber regional gibt es bereits kostenlose Entsorgungssysteme.

Die Bereitung von Ballensilage ist jedoch nur dann kostengünstig, wenn die Silierverluste gering (< 5 %TM) und keine Verluste durch Nacherwärmung oder Schimmelbildung auftreten. Diese Ziele erfordern den Einsatz einer hochqualitativen Stretchfolie mit folgenden physikalischen Eigenschaften:

  • Durchgängige Qualität und Dicke
  • Gute Dehnungseigenschaften auch bei warmem Wetter
  • Keine Tendenz zur Überdehnung bzw. zum Aufreißen von Löchern bei der Dehnung
  • Kein Formverlust während der mehrmonatigen Lagerung im Freien
  • Gleichmäßige Dicke der Folie - optimal sind 25 Microns,
  • außerordentlich gute Oberflächenhaftung für dichten Luftabschluss,
  • sehr hohe Widerstandsfähigkeit gegen Durchstoßen,
  • exzellente UV-Beständigkeit, die ein Jahr Außenlagerung ermöglicht,
  • hohe Haltekraft für den Zusammenhalt der Ballen und
  • geringe Durchlässigkeit für Sauerstoff und Wasser

Es wird empfohlen, Ballen mit mindestens 4-6 Lagen zu wickeln. Bei Pferdefutter werden bis zu 6-10 Lagen Stretchfolie empfohlen.

Mehr Verdichtung mit Schneidwerk

Schneidwerkspressen mit bis zu 25 Messern schaffen 15 bis 20 % mehr Futtermasse pro Ballen als Pressen ohne Schneidwerk - und damit eine entsprechend höhere Verdichtung. Beim Einsatz der Rundballenpresse als Presswickelkombination werden die Ballen unmittelbar nach dem Pressen luftdicht verschlossen. Einen unerwünschten Sauerstoffeintrag gibt es nicht. Geschnittene Ballen lassen sich zudem leichter auflösen, was den systembedingten Nachteil von Ballensilage bei Verfütterung über den Mischwagen reduziert.

Fazit

Die Wickelballensilage ist unter dem Strich ein erprobtes Verfahren, dass selbstverständlich bei Beachtung der produktionstechnischen Grundregeln zu bester Silagequalität mit geringen Verlusten führt. Weil die Arbeitsabläufe flexibel organisiert werden können, bietet dieses Verfahren für Milchviehhalter mit einer bestimmten Struktur oder einer Vielzahl von Nutzpflanzen oder Teilflächen eine interessante Alternative.

Da die Ballensilage den Witterungseinfluss verringert, wird sie außerdem in der Pferdehaltung und extensiven Rinderhaltung das Heu wahrscheinlich verdrängen. Angesichts geringer Milchpreise und Futtermangels stellt Ballensilage eine Möglichkeit dar, den zunehmenden Forderungen nach geringeren Umweltauswirkungen bei Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit zu entsprechen.

Es ist hervorzuheben, dass Ballensilage nur dann einen interessanten, kostengünstigen Weg der Silageproduktion darstellt, wenn die Silierverluste gering sind. In dieser Hinsicht kann der Wert bewährter Verfahrensweisen und der hohen Qualität der Folie nicht hoch genug eingeschätzt werden.

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