Turmsilo, Rundballen, Schlauch- oder Fahrsilo?
Die Frage, welche Methode sich am besten für die Aufbewahrung von Silage eignet, ist ein heißes Thema, das zur Debatte steht. Man kann das Thema aus vielen verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Rundballen verursachen zum Beispiel geringe Kapitalkosten, während ein Turmsilo eine große Investition darstellt. Andererseits ist ein Turmsilo bei der täglichen Handhabung von Silage im Winter weniger arbeitsintensiv.
Es gibt klare Unterschiede zwischen Systemen, z.B. in Bezug auf den damit verbundenen Arbeitsaufwand, die Kapitalkosten, Trockenmasse (TM)-Verluste und Kunststoffverbrauch. Im Folgenden wird jeder dieser Aspekte betrachtet.
Kunststoffverbrauch
Das Turmsilo hat den geringsten Kunststoffverbrauch, gefolgt von Fahrsilo, Schlauchsilo und Rundballen, die rund 4,5 kg Kunststoff pro Tonne Trockenmasse (TM) des Futters benötigen. Wenn also die Verringerung des Kunststoffverbrauchs Priorität hat, wäre das Turmsilo die geeignete Option.
TM-Verlust
Mit etwa 4-5% weisen Rundballen den geringsten TM-Verlust auf, gefolgt von Schlauch- und Turmsilo, bei denen die Verluste ca. 7-8% TM betragen. Die Verluste beim Fahrsilo liegen weit höher, sie werden auf 15% TM oder mehr geschätzt. Wenn nur begrenzt Land zur Verfügung steht und deswegen jede Kultur, die dort wächst, sparsam eingesetzt werden muss, ist das Rundballensystem die beste Wahl. Es ermöglicht Landwirten zudem die Flexibilität, Kulturen von verschiedenen Feldern getrennt zu ernten und aufzubewahren.
Kapitalkosten
Die Kapitalkosten sind für das Rundballen- oder Schlauchsystem am niedrigsten, weil sie dabei im Wesentlichen nur für die Herstellung der richtigen Oberfläche für die Aufbewahrung der Ballen oder Schläuche anfallen - die Oberfläche sollte hart und eben sowie frei von Steinen sein, um eine Beschädigung der Folie zu verhindern.
Der Bau eines Fahr- oder Turmsilos bedeutet eine wesentliche größere Kapitalinvestition. Ein Turmsilo benötigt weniger Platz, der Bau selbst ist jedoch teurer. Ein Fahrsilo verfügt über mehr Anwendungsalternativen als ein Turmsilo, aber letztere haben einen "Wiederverwendungswert", weil sie oft abgebaut und verkauft werden können, wenn sie nicht mehr benötigt werden.
Arbeitsintensität
Die Arbeitsintensität ist bei den verschiedenen Systemen recht ähnlich. Sie hängt im Wesentlichen von der Entfernung zwischen dem Feld und dem Aufbewahrungsort und von der Größe der für die Ernte benötigten Ausrüstung ab. Die Arbeitsintensität unterscheidet sich insbesondere in Bezug auf die Handhabung der Silage bei der Verfütterung, eine tägliche Routine in der ganzen Wintersaison. Am höchsten ist die Arbeitsintensität bei Rundballen, von denen die Stretchfolie oft manuell entfernt wird. Auch beim Fahrsilo und bei Schlauchballen ist der Einsatz eines Traktors notwendig. Das Turmsilo dagegen kann mechanisiert werden, so dass das Futter auf Knopfdruck direkt zur Futterstelle kommt.
Welches ist das wirtschaftlichste System?
Es gibt offensichtlich keine einfache Antwort auf die Frage, welches System für die Lagerung bzw. Aufbewahrung von Silage das Beste ist, weil kein System unter allen Gesichtspunkten optimal ist. Natürlich kann man versuchen, Gesamtkosten zu definieren, indem man Arbeit, Investitionskosten, Kosten des Kunststoffverbrauchs und TM-Verluste berücksichtigt. Es ist aber nicht möglich, für jeden dieser Aspekte eine allgemeine Kostengröße anzugeben - dies muss jeder Landwirt auf der Grundlage seiner eigenen Vermutungen und betrieblichen Voraussetzungen selbst berechnen.
In einer vor kurzem veröffentlichten Doktorarbeit* von Carina Gunnarsson von der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften wurde versucht, die Kosten der Ernte und Lagerung von Silage in Rundballen mit den Kosten eines Fahrsilos zu vergleichen, wenn ein Ladewagen oder Häcksler mit eigenem Antrieb verwendet wird. Der Bericht verwendete einen Betrieb mit 70 ha Futterkulturen als Berechnungsgrundlage und berücksichtigte sämtliche Ernte- und Lagerkosten.
Die Ergebnisse für das Fahrsilo - unter Berücksichtigung von Ausrüstungskosten, Arbeitskosten und Zeitaufwand - wurden bei Einsatz eines Ladewagens auf 0,034 EUR pro kg TM geschätzt. Die Kosten für das Rundballensystem wurden mit 0,038 EUR pro kg TM veranschlagt.
Addiert man die Aufbewahrungskosten hinzu, z.B. Fahrsilo, Kunststofffolien, Netze und Stretchfolie, dann beliefen sich die errechneten Kosten auf 0,054 EUR für das Fahrsilo und 0,059 EUR für Rundballen. Wurden gleichzeitig auch noch TM-Verluste berücksichtigt, beliefen sich die errechneten Kosten auf 0,065 EUR für Fahrsilos und 0,064 EUR pro kg TM für Rundballen.
Es kann gefolgert werden, dass sich die Kosten von Ernte, Lagerung und TM-Verlusten ausgleichen und dass die Gesamtkosten von Fahrsilosilage vergleichbar sind mit denen von Rundballensilage. Dabei unberücksichtigt sind die Kosten der Silage-Handhabung zum Zeitpunkt der Verfütterung. Bei der Beurteilung muss aber auch die Flexibilität berücksichtigt werden, die Rundballen bieten, d.h. sie erlauben die getrennte Aufbewahrung verschiedener Kulturen und qualitativ verschiedener Ernten. Ferner ist zu berücksichtigen, dass sich Rundballen leicht handhaben und transportieren lassen.
*Der Bericht in schwedischer Sprache ist hier zu finden.
| Rolf Spörndly, Schwedische Universität für Agrarwissenschaften (SLU) |
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