Von Dr. Rolf Spörndly
Forschungsleiter an der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften in Uppsala und Chefberater von Svenska Husdjur, einer landwirtschaftlichen Kooperative, die Milchbauern berät.

Getrocknete Zuckerrübenpulpe ist eine Ware auf dem Weltmarkt. Sie kommt in vielen Futterkonzentraten für Kühe zum Einsatz. Die Faser in Zuckerrübenpulpe ist leicht verdaulich und verfügt über einen Energiegehalt vergleichbar mit dem von Stärke. Zuckerrübe ist jedoch ein strukturelles Kohlenhydrat ohne die nachteiligen Wirkungen auf die Fermentation im Pansen, wie sie für nicht strukturelle Kohlenhydrate wie Stärke und Zucker üblich sind. Wenn getrocknete Zuckerrübenpulpe bis zu einem gewissen Grad Getreide in einer Konzentratmischung für Hochleistungskühe ersetzt, könnten problemlos bis zu 18 kg Konzentrat pro Tag und Kuh verfüttert werden.

Wie der Name jedoch schon sagt, muss getrocknete Zuckerrübenpulpe getrocknet werden. Und trocknen bedeutet meistens den Einsatz fossiler Brennstoffe wie Öl, die  man nicht öfter als nötig in Anspruch nehmen will.

Zuckerrübenpulpe lässt sich jedoch leicht silieren. Nach dem Zuckerextraktionsprozess in der Fabrik ist die Pulpe ziemlich nass und besitzt einen Trockenmasse (TM)-Anteil von weniger als 20%. Durch Pressen der Pulpe und Zugabe von ungefähr 4% Molasse zur Förderung des Lactobazillus-Wachstums entsteht die sogenannte "Hochdruckrübenpulpe" mit ca. 27% TM, die sich sehr gut für das Silieren eignet. Die Pulpe kann per Lkw an die Milchbetriebe in der Nachbarschaft der Zuckerfabrik geliefert und anschließend in Fahr- oder Schlauchsilos siliert werden. Um sie aber zu weiter entfernten Betrieben zu bringen, kann die Rübenpulpe auch in Rundballen gewickelt werden.

Bild 1 - Die Ballen werden zuerst mit einer speziellen dickeren Stretchfolie um die Seitenflächen gewickelt.           Bild 2 - Nach der Fertigstellung werden die Ballen einzeln auf Paletten gelegt, um sie leichter transportieren zu können 
Bild 1 - Die Ballen werden zuerst mit einer speziellen dickeren Stretchfolie um die Seitenflächen gewickelt.
(Bild von Danisco Sugar, Schweden)
   Bild 2 - Nach der Fertigstellung werden die Ballen einzeln auf Paletten gelegt, um sie leichter transportieren zu können.
(Bild von Danisco Sugar, Schweden)

Die Ballen werden in transportierbaren Ballenmaschinen (Flexus, 2008) mit den Abmessungen 1200 x 1200 mm und einem Silageinhalt von 1.300 kg (345 kg TM) hergestellt. Zuerst werden die Ballen mit sechs Lagen 50 µm Stretchfolie um die Seitenflächen und anschließend mit sechs Lagen 25 µm 750 mm Stretchfolie mit 50 % Überlappung gewickelt. Abgesehen von der Melasse werden keine Silageadditive verwendet.
Die Ballen haben eine gute Lagerfähigkeit und können zwei Jahre lang aufbewahrt werden, wenn sie intakt sind. Wenn sie einmal geöffnet wurden empfiehlt es sich, das Futter im Winter innerhalb von drei bis vier Tagen und im Sommer innerhalb von zwei Tagen zu verwenden.

 Bild 3 - Die Ballen werden in einem speziellen Lagerbereich für die Auslieferung aufbewahrt. In Schweden werden jährlich 25 000 bis 40 000 Ballen hergestellt
Bild 3 - Die Ballen werden in einem speziellen Lagerbereich für die Auslieferung aufbewahrt. In Schweden werden jährlich 25 000 bis 40 000 Ballen hergestellt.
(Bild von Danisco Sugar, Schweden)

 

Im Allgemeinen hatte die Anzahl Folienlagen keine bedeutende Wirkung auf die chemische Zusammensetzung der Silage. Nur die Konzentration an Buttersäure, Gesamtprotein und WSC (wasserlöslichen Kohlenhydraten) stieg wesentlich an, als die Zahl der Lagen von zwei auf acht stieg.
Bezüglich der Fermentationswerte in den Ballen mit einer größeren Zahl Folienlagen wurden keine bedeutenden Unterschiede festgestellt. Die Ammonium-, Milchsäure- und Essigsäurekonzentration nahm mit zunehmender Anzahl Folienlagen ab. Ferner wurde bei den Ballen mit einer höheren Anzahl Folienlagen ein Trend zu einer höheren Energiekonzentration - NEL (Netto-Energie-Laktation) festgestellt.

Die gepresste Rübenpulpe in Fahrsilos, Schlauchsilos oder Ballen ist ein beliebtes Futter für Milchkühe in Schweden. Seine Beliebtheit verdankt das Produkt weitgehend seinen guten Ernährungsqualitäten und seinem vernünftigen Preis. Es ist besonders auf expandierenden Milchwirtschaftbetrieben beliebt, auf denen der Landwirt die Zahl der Kühle erhöhen will, aber nicht über die nötige Fläche Land für die Herstellung von Raufutter verfügt. Als Ergebnis des steigenden Interesses an der Milchproduktion im Jahr 2008 infolge höherer Milchpreise war die gesamte gepresste Rübenpulpeproduktion für den Winter bereits gebucht und verkauft - lange bevor die Zuckerrübensamen gesät wurden.
Schweden stellt seit vielen Jahren gepresste Rübenpulpesilage in Rundballen her. Die schwedische Zuckerfabrik (Danisco Sugar) produziert bis zu 40 000 Ballen (53 000 Tonnen) gepresster Rübenpulpe pro Jahr. Österreich, Deutschland, die Niederlande und Dänemark stellen ebenfalls silierte Zuckerrübenpulpe in Ballen her. In der Schweiz wurden im Jahr 2004 22% der gesamten Rübenpulpeproduktion von 54 000 Tonnen in Form von Rundballen hergestellt.

Tabelle 1 - Die Analyse silierter gepresster Rübenpulpe in Schweden:

Trockenmasse 270g pro Kg
  Pro kg Trockenmasse
NDF, g 445
Rohprotein, g 108
Etherextrakt, g 8
Rohfaser, g 176
Asche, g 73
ME, MJ 12.8
DE, MJ 15.3

 

Eine typische Futterration für Hochleistungsmilchkühe (einschließlich gepresster Rübenpulpe): 

Kg Trockenmasse pro Kuh und Tag
Gepresste Rübenpulpe 5 kg TM
Klee-/Grassilage 6 kg TM
Getreideflocken 7 kg TM
Proteinkonzentrate 6 kg TM
Mineral-/Vitaminmix 150 g.


Quellen für die in diesem Artikel verwendete Daten:
Lexus, 2008.
Spörndly, 2003. Feed tables for ruminants (in Swedish). Report 257. Dept. of animal feeding and management, Swedish University of Agricultural Sciences
Wyss, U. 2005 Quality of pressed pulp silage in big bales. Federal research station for animal production and dairy products. Agroscope Liebefeld-Posieux, Switzerland. Meeting of the IIRB Study group. 5 September 2005.

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