Von Per Lingvall, Martin Knický, Thomas Pauly, Rainer Nylund, Johan Andersso, Rolf Spörndly, Stephan Ackermann und Lucas Winkelmeier

Die Ergebnisse der jüngsten Studie der schwedischen Universität für Agrarwissenschaften zeigen, dass es einfacher ist, einen für gute Silagequalität geeigneten Trockenmassegehalt zu erhalten, wenn die gemähte Kultur zum Vorwelken weit gezettelt wird.

Materialien und Methoden


Während des ersten Silageschnittes wurden 20 ha Klee/Grasweide in zwei gleiche Teile unterteilt. Ein Teil der Kultur wurde gezettelt gelassen, der zweite Teil wurde geschwadet. Siehe Bild 1.

Das Zetteln erfolgte jeweils mit einem Gerät der Firma Pöttinger vor bzw. seitlich zum Traktor. Für das Schwaden wurden jeweils Geräte vor und hinter dem Traktor zur Herstellung eines “Doppelschwads” verwendet. Siehe Bild 2.

Ziel war es, die Wirksamkeit der beiden Methoden bezüglich des Welkprozesses zu bestimmen. Als mit einer der beiden Methoden ein Trockenmassegehalt von 40% (TM) erreicht war, begann das Rundballenpressen.

Die gezettelte Kultur wurde vor dem Rundballenpressen mit einem Pöttinger Eurotop 771 A geschwadet. Siehe Bild 3.
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Bild 1. 20 Hektar, in einen Teil weit gezettelt und einen Teil für Schwaden aufgeteilt.

Foto: Schwedische Universität für Agrarwissenschaften
Bild 2. Links eine Mähmaschine mit Zettler und rechts mit Schwader.

Foto: Schwedische Universität für Agrarwissenschaften
Bild 3. Schwaden des gezettelten Erntegutes vor dem Pressen zu Rundballen

Foto: Schwedische Universität für Agrarwissenschaften

Die Kultur, bestehend aus Wiesenschwingel, Wiesenlieschgras, Rotklee und Löwenzahn (50/40/5/5) wurde am 7. Juni 2007 um 15.00 Uhr geschnitten. Später regnete es leicht (2-4 mm, so dass der TM-Gehalt geringfügig zurückging – stärker auf der gezettelten als auf der geschwadeten Fläche. Am nächsten Tag war das Wetter sonnig, teilweise bewölkt, kein Regen. Beide Kulturen blieben auf dem Feld unberührt, bis 40% TM erreicht waren.

Ergebnisse

Die gezettelte Kultur erreichte 40% TM um rund 16.00 Uhr am 8. Juni. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Kultur in Schwaden nur rund 30% TM. Jetzt begann das Pressen der Rundballen. Kurz zuvor war das gezettelte Erntegut geschwadet worden, und die TM-Messung wurde am Abend fortgesetzt, bis die Ernte um 22 Uhr beendet war. Der Trocknungsprozess geht aus Bild 4 hervor.

Figure4
Bild 4. Trocknen während des Welkprozesses nach dem Mähen zwischen 15 Uhr 22 Uhr am folgenden Tag. Das Pressen der Rundballen begann um 16 Uhr am zweiten Tag.

Quelle: Schwedische Universität für Agrarwissenschaften

Die gezettelte Kultur erreichte 40 % TM schneller, und ihre TM-Schwankung war wesentlich niedriger. Bild 5 zeigt, wie die dünnere gezettelte Kultur in ihrem TM-Gehalt zwischen unterer und oberer Schicht viel weniger variierte.


Figure5
Bild 5. TM-Gehalt in oberer (Top) und unterer (Bottom) Schicht im gezettelten und geschwadeten Erntegut während des Welkens.

Quelle: Schwedische Universität für Agrarwissenschaften

Als das Erntegut auf Schwaden 24 Stunden nach dem Mähen einen mittleren TM-Gehalt von 30 % hatte, wies die obere Schicht 40 % TM auf, die untere aber nur 20 % TM.

Wie ist es um die Silagequalität bestellt?

Das Silieren der Rundballen begann, als das gezettelte Erntegut 40% TM aufwies. Zu jenem Zeitpunkt war der TM-Gehalt im geschwadeten Erntegut nur 30%. Die resultierende Silagequalität unterschied sich wesentlich – wie bei den unterschiedlichen TM-Gehalten zu erwarten war. Das gezettelte Gras ergab eine gute Silagequalität, während das geschwadete Erntegut zu einer Silage mit doppelt so viel Ammoniak und einer hohen Konzentration an Buttersäure führte. Der TM-Verlust war bei der geschwadeten Silage doppelt so hoch und die Ballendichte war in der gezettelten Silage 30% höher. Tabelle 1 zeigt die Parameter der Silagequalität.


Tabelle 1. Silagequalität, Dichte und TM-Verluste in Rundballen aus gezetteltem oder geschwadetem Silagegut nach 24 Stunden.
Gezettelt Geschwadet
Mittel Sa Mittel Sa Sign.
TM, g/kg 416 24.2 285 17.2 ***
pH 5.2 0.09 4.8 0.13 ***
NH3-N (g/kg TN) 65.1 11.38 109.6 14.87 ***
WSC, g/kg ts 86.0 11.92 43.2 15.33 ***
Milchsäure, g/kg ts 15.4 4.69 39.6 10.74 ***
Essigsäure, g/kg ts 3.6 0.90 8.8 2.89 ***
Buttersäure, g/kg ts 0.4 0.08 7.3 4.35 ***
Ethanol, g/kg ts 12.2 3.35 14.7 2.54 ***
2.3-Butanediol, g/kg ts 3.1 0.56 13.9 3.21 ***
Dichte, kg ts/m3 181 12.8 137 9.7
TM-Verlust, % der TM 1.9 0.61 4.5 12.8
Sign *** = Wahrscheinlichkeit, dass der Mittelwert gleich oder weniger als 0,01 % ist

Sa= Standardabweichung
Quelle: Schwedische Universität für Agrarwissenschaften

Kostenaspekte

Mit Zetteln anstelle von Schwaden war es möglich, innerhalb von 24 Stunden trotz etwas Regen hochwertige Silage herzustellen. Zetteln ist aber arbeitsintensiver, weil man einmal mehr über das Feld fahren muss, um das gezettelte Erntegut direkt vor dem Pressen der Rundballen zu schwaden. Tabelle 2 zeigt die Kosten der zwei Methoden.

Tabelle 2 zeigt, dass beim Zetteln fast doppelt so viel Arbeit anfällt wie beim Schwaden und dass man durch das Pressen eines trockeneren Erntegutes Zeit gewinnen kann, da sich Ballen mit einem höheren TM-Gehalt schneller und effizienter herstellen lassen.


Tabelle 2. Maßstäbe für die Effektivität der Herstellung von Rundballen aus gezetteltem und geschwadetem Erntegut
Zetteln Schwaden
Mähen
Traktor Massey Ferguson 6840 Massey Ferguson 6290
Fläche 11 ha 9 ha
Arbeit 147 Minuten 161 Minuten
Mähkapazität 4,49 ha/h 3,35 ha/h
Dieselverbrauch 5, Litre/ha 6,2 Litre/ha
Schwaden
Traktor Massey Ferguson 390T -
Fläche 11 ha -
Arbeit 141 Minuten -
Schwadkapazität 4.68 ha/h -
Dieselverbrauch 1,2 Litre/ha -
Arbeitskräfte benötigt für:
Mähen 1 person 1 person
Schwaden 1 person -
Pressen
Ballengewicht 341 kg ts/Ballen 269 kg ts/Ballen
Kapazität 170 kg ts/Minute 117 kg ts/Minute
Dieselverbrauch 1,4 l/ton TM 1,9 l/ton TM
Quelle: Schwedische Universität für Agrarwissenschaften

Folgerungen und Diskussion

Durch Zetteln der Kultur in einer dünnen Lage wird der Welkprozess beschleunigt. Dieser Versuch hat auch gezeigt, dass der Zeitpunkt der Silageherstellung (d.h. am gleichen Tag oder einen Tag später) eine bedeutende Wirkung haben kann. Wenn Regen anhält, kann der Silierprozess um einen Tag verschoben werden. Dies erklärt, dass man bei der Herstellung von Silage mit einem geringen Trockenmasseanteil auch eine geringe Silagequalität erhält.

Die Anwendung der Zetteltechnik wird oft kritisiert, weil sie arbeitsintensiver ist und einen zusätzlichen Schwadgang vor der Silageherstellung verlangt. Die zusätzliche, für das Zetteln benötigte, Arbeit nimmt etwa gleich viel Zeit in Anspruch wie das Mähen, doch ist die Maschine billiger und der Dieselverbrauch niedriger.

Rechnet man mit einem Lohnunternehmersatz von 800 Schwedischen Kronen (SEK1) oder 86,13 EUR/h für das Mähen und 700 SEK oder 75,37 EUR/h für das Schwaden sowie mit einem Ertrag von 4 500 kg TM pro Hektar, dann kostet das Zettelsystem 7,30 SEK oder 0,79 EUR pro 100 kg TM (4,0 + 3,3 SEK) oder (0,43 +0,36 EUR) im Vergleich zu 5,3 SEK oder 0,57 EUR per 100 kg TM (5,3 + 0 SEK) oder (0,57 + 0 EUR) für das Schwadsystem unter Verwendung der in diesem Versuch gemessenen Kapazitäten.

Wenn das Ergebnis darin besteht, dass 40% Rundballen aus der gezettelten Kultur und 30% aus der geschwadeten Kultur hergestellt werden, dann sind die Kosten für die Herstellung der Rundballen im gezettelten System niedriger. Bei einem Lohnunternehmersatz von 1 200 SEK/h oder 129,19 EUR/h betragen die Kosten 12 SEK oder 1,29 EUR/100 kg TM für Ballen aus der gezettelten Kultur und 17 SEK bzw. 1,83 EUR/100 kg TM für Ballen aus der geschwadeten Kultur. Die Gesamtkosten der Ernte und Lagerung der Silage in diesem Versuch wären demzufolge 19 SEK oder 2,04 EUR/100 kg TM für die Zetteltechnik und 22 SEK bzw. 2,37 EUR/100 kg TM für die Schwadtechnik.

Als allgemeine Folgerung lässt sich festhalten, dass es mit der Zetteltechnik einfacher ist, einen für gute Silagequalität zufrieden stellenden TM-Gehalt zu erreichen. Auch die Mehrkosten für die Zusatzarbeit werden durch die potenziellen Gewinne mehr als kompensiert.

1 SEK= about 0.11 EUR (http://www.xe.com/ucc/)

Ein Versuch an der Abteilung für Tierhaltung und Ernährung, Schwedische Universität für Agrarwissenschaften, Uppsala, Schweden.
Von Per Lingvall, Martin Knický, Thomas Pauly, Rainer Nylund, Johan Andersson und Rolf Spörndly an der Universität für Agrarwissenschaften sowie Stephan Ackermann und Lucas Winkelmeier bei Pöttinger AG, Österreich.

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