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Der GTE-Prozess: Hightech-Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen

Flugzeugbauteile, Rotorblätter von Windrädern, Bootskörper von Sportbooten aber auch hochwertige Sportgeräte sind häufig aus Verbundwerkstoffen hergestellt. Zumeist wird dabei Epoxidharz als “Klebstoff” verwendet, der die einzelnen Fasern miteinander verbindet. Diese sehr hochwertigen Verbundkunststoffe zeichnen sich durch hohe Stabilität, Haltbarkeit und geringes Gewicht aus. Das Epoxidharz wird üblicherweise über verschiedene chemische Zwischenschritte aus Rohstoffen auf Erdölbasis, darunter das Produkt Epichlorhydrin, hergestellt. Wenn es aber von Dow stammt – einem der bedeutendsten Epoxidharzproduzenten weltweit – kann das Epichlorhydrin künftig auch aus nachwachsenden Rohstoffen produziert sein.

Der Grund: Dow Stade hat gemeinsam mit der Forschungsabteilung des Unternehmens die Gewinnung von Epichlorhydrin aus Glycerin zur großtechnischen Produktionsreife entwickelt. Das Ausgangsprodukt dafür, Glycerin, fällt in zunehmendem Maße als Nebenprodukt bei der Gewinnung von Biodiesel aus Pflanzenölen an. Auf 100 Tonnen Biodiesel entstehen bei heutigen Verfahren rund 10 Tonnen Glycerin. Gab es bis vor fünf Jahren noch so wenig natürliches Glycerin am Markt, dass große Mengen synthetisch  für die Lebensmittel-, Kosmetik- und Pharmaindustrie hergestellt wurden, liefert die Biodieselbranche heute mehr, als diese Industrien benötigen. Der dadurch sinkende Preis bewirkt, dass Glycerin zum Teil zu Tierfutter verarbeitet, in Heizanlagen verfeuert und für die chemische Industrie als Rohstoff immer interessanter wird.

Dow Stade stellt in einer der Produktionsanlagen besonders reines synthetisches Glycerin für pharmazeutische Zwecke aus Epichlorhydrin her. Man weiß bereits seit langem, dass dieser chemische Prozess auch umkehrbar ist. Angesichts der Marktentwicklung bei Glycerin war es daher nahe liegend, dass man sich in Stade Gedanken machte, das eigene Prozess-Knowhow für ein solches umgekehrtes Verfahren, den sogenannten GTE (Glycerin-to-Epi) - Prozess einzusetzen. Es wurde deshalb zunächst eine Pilotanlage gebaut, in der die Stader den neuen Prozess dann bis zur großtechnischen Anwendungsreife weiterentwickelt haben. “Mit dieser Entwicklung haben wir auch den Technologiestandort Stade im Konzernverbund gestärkt”, so Anlagenleiter Holger Bär.

Allerdings wird die erste großtechnische GTE-Anlage bei Dow in China gebaut werden – mit tatkräftiger Unterstützung durch die Fachleute aus Stade – da der Markt für Epoxidharze und die Biodieselproduktion aus Palmöl im pazifischen Raum am stärksten wachsen. Weil aber auch in Europa der Markt für Epoxidharze zunimmt und aufgrund der hohen Biodieselproduktion sehr viel Glycerin auf dem Markt ist, könnte der nächste Produktionsstandort von Dow mit diesem neuen Verfahren dann Stade heißen.